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Humboldt-Universität zu Berlin - Geschlecht als Wissenskategorie

Dr. Katrin Köppert

Dissertationsprojekt:

Queer Pain. Schmerz als Solidarisierung, Fotografie als Affizierung. Zu den Fotografien von Albrecht Becker (1920er bis 1990er Jahre)
 
koeppert
 

Kurzbeschreibung des Projekts

 

Im Mittelpunkt der Dissertation steht die Geschichte der Visualität männlich-homosexueller Alltagskultur vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Diskriminierungen und körperlicher sowie psychischer Verletzungen. Dabei spielt das Verhältnis der Medialität und Materialität von Fotografie und der Visualität von Schmerz für das Wahrnehmungsverhältnis von Sexualität, sexueller Identität und sexuellem Begehren eine entscheidende Rolle. Die mediale und visuelle Kulturgeschichte von Schmerz wird im Rahmen der männlichen Homosexualitätsgeschichte seit Anfang des 20. Jahrhunderts am Beispiel der visuellen Selbstrepräsentationen und privaten Bildquellen des Fotografen Albrecht Beckers als eine Geschichte der queeren Affizierung und Solidarisierung erzählt. Sexualität wird in Folge dieser Affizierung nicht länger als Kategorie der sichtbaren Identität und des ins Bild gesetzten autonomen Subjekts visualisiert, sondern als relationales und temporäres Intensitätsverhältnis über mehrere Sinnesregister wahrnehmbar. Dies erfolgt vor dem Hintergrund des Forschungsdesiderats in Hinblick auf queere Ästhetiken und Medienpraktiken von Schmerz im Rahmen von privater, das heißt nicht-kommerzieller und/oder nicht-professioneller Fotografie. Wenngleich die Bedeutung der in der Alltagskultur anzusiedelnden Praktiken für queere Artikulationen in manchen Studien hervorgehoben wird, lässt sich kaum Forschung finden, die sich entsprechendes Material zur Grundlage ihrer Analyse gemacht hat, vor allem wenn es um das Verhältnis von Schmerz, Alltag und Fotografie geht. Diese Dissertation leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Erschließung bisher nur selten berücksichtigter Quellen.
 
                                          

Angaben zur Person

 

Katrin Köppert ist seit Oktober 2019 Juniorprofessorin für Kunstgeschichte/populäre Kulturen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB). Sie studierte Gender Studies und Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin (M.A.) und promovierte mit einer kunst- und medienwissenschaftlichen Arbeit 2018 am Institut für Kunst und Visuelle Kultur an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Dr. phil.). Neben mehrjährigen wissenschaftlichen Tätigkeiten in Siegen, Los Angeles, London, Linz und Berlin war sie Stipendiatin des DFG-Graduiertenkollegs Geschlecht als Wissenskategorie (Humboldt-Universität zu Berlin). Transdisziplinäres Forschen und fächerübergreifendes Lehren an der Schnittstelle von Theorie und Praxis stehen im Mittelpunkt ihrer Herangehensweise. Zu den Arbeitsschwerpunkten zählen Queer Media Theory, Affect Studies und politische Gefühle, Vernacular Culture, Fotografietheorie und -geschichte, Post- und Dekoloniale (Medien-)Theorien des Anthropozäns.
   

Ausgewählte Publikationen

 

Monografie

2020: Queer Pain. Schmerz als Solidarisierung, Fotografie als Affizierung. Zu den Fotografien von Albrecht Becker (1920er bis 1990er Jahre), Berlin: Neofelis Verlag (in Vorbereitung).

Herausgaben

2019: mit Juana Awad, Maja Figge, Grit Köppen: On Decolonial Deferrals, wissenderkuenste.de, Ausgabe #8.

2015: mit Käthe von Bose, Ulrike Klöppel, Karin Michalski, Pat Treusch: I is for Impasse. Affektive Queerverbindungen in Theorie_Aktivismus_Kunst, Berlin: b_books.

2013: mit Susanne Regener: privat/öffentlich. Mediale Selbstentwürfe von Homosexualität, Wien/Berlin: Turia + Kant.

Artikel in Sammelbänden und Zeitschriften

2020: Modulationen der Stille. Queerness, Fotografie und post-black art, in: Fotogeschichte 155, 34–42 (im Erscheinen).

2020: "Scham ist die stärkste Gebärde." Eribon mit Benjamin ­lesen, in: Birgit Haberpeuntner/Melanie Konrad/Christian Schulte (Hg.): Grenzen – Schwellen – Übergänge. Anschlüsse an Walter Benjamin, Berlin: Vorwerk 8 (im Erscheinen).

2020: Afro-Feministisches Fabulieren in der Gegenwart – und mit der Höhle, in: Marie Luise Angerer/Naomie Gramlich (Hg.): Feministische Spekulationen / spekulative Feminismen. Interdisziplinäre Kritiken und Genealogien, Berlin: Kadmos (im Erscheinen).

2019: Queer Media Studies – Queering Medienwissenschaft, in: Johanna Dorer/Brigitte Geiger/Brigitte Hipfl/Viktorija Ratković (Hg.): Handbuch Medien und Geschlecht. Perspektiven und Befunde der feministischen Kommunikations- und Medienforschung, Berlin: Springer.

2019: Queere 'Indianer' und exotische Terrortunten. Die 'Kunst' des Ethnic Drag bei Castelli und Salomé, in: Benjamin Dodenhoff und Ramona Heinlein (Hg.): Die Erfindung der Neuen Wilden, Köln: Walther König, 62–85.

2018: Das 'Handwerk' des Schmerzes. Fotografie zwischen Automatisierung und Affizierung, in: Käthe von Bose, Jutta Weber et al. (Hg.): Verkörperung und Materialisierung, München: Fink, 233–252.

2018: Tableau Vivant as Plateau of Pain and Queer Temporality in Photography as Cinema, in: Barbara Paul, Josch Hoenes et al. (Hg.): Perverse Assemblages. Queering Heteronormativity Inter/Medially, Berlin: Revolver, 93–105.

2018: The Sound of ACT UP! AIDS Activism as Sound(e)scape and Sound-Escapade, in: Interference. A Journal of Audio Culture 6.

2017: Glanz. Zur Diffraktion des Spiegels. Beyoncé und FKA twigs als 'glänzende' Beispiele des Schwarzwerdens, in: FKW//Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur 63, 49–63.

2017: Queeriasporizing. Filmische Räume im Trans*it zwischen ‘Rasse‘ und Geschlecht, in: Claudia Bruns (Hg.): „Rasse“ und Raum. Dynamiken, Formationen und Transformierung anthropologischen Wissens im Raum, Wiesbaden: Reichert, 201–220.

2017: mit Todd Sekuler: Sick Memory: On the Un-detectable in Archiving AIDS, in: Drain: A Journal of Contemporary Art and Culture 13, 2, AIDS and Memory.

2016: Queere Archive des Ephemeren. Raum, Gefühl: Unbestimmtheit, in: sub/urban. zeitschrift für kritische stadtforschung 3/2, 67–90.

2014: Touch of Concern. Queere Mikropolitiken affektiver Reproduktion bei  GayRomeo und Grindr, in: Andreas Heilmann et al. (Hg.): Männlichkeit und Reproduktion: Zum gesellschaftlichen Ort von Männlichkeitsproduktionen, Wiesbaden: Springer, 329–348.

2013: Scrap-Book of Tears. Entwürfe des Selbst im (Zeit-)Gefüge von Schmerz und Hoffnung, in: Susanne Regener/Katrin Köppert (Hg.): privat/öffentlich. Mediale Selbstentwürfe von Homosexualität, Wien/Berlin: Turia + Kant, 175–204.

   

Homepage und Kontakt

https://www.hgb-leipzig.de/personen/professor-innen_mitarbeiter-innen/j-prof-dr-katrinkoeppert