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Humboldt-Universität zu Berlin - Geschlecht als Wissenskategorie

AG Wissen

Contested Truth

Mitglieder:

Corinna Bath, Jens Borcherding, Lukas Engelmann, Lisa Malich, Falko Schnicke, Patricia Treusch
Zeitraum: Januar 2010 - Oktober 2011

Arbeitsbereiche und Fragestellungen

Die AG beschäftigt sich mit einem zentralen Themenfeld des Graduiertenkollegs, der Kategorie 'Wissen'. Den gemeinsamen Ausgangspunkt der Arbeit bildet dabei die Einsicht in die lokale, soziale und historische Gebundenheit von Wissen und Wissensproduktion, die seit dem sogenannten cultural turn einen Konsens der Sozial- und Geisteswissenschaften darstellt. Wissensobjekte und -konzepte werden, je nach Ansatz, als Produkte der jeweiligen geschichtlichen und kulturellen Konstellationen von Diskursen und Praktiken (z.B. Foucault) bzw. material-diskursiven Apparaten (z.B. Haraway) verstanden, als Verknüpfung heterogener menschlicher und nicht-menschlicher Komponenten zu einem Netzwerk (z.B. Callon, Latour) analysiert und durch den jeweiligen Standpunkt ihrer Herstellung als mit Dimensionen von Macht und Politik verwoben betrachtet (z.B. Harding, Smith, Bourdieu).
Der AG geht es dabei nicht um eine endgültige Begriffsklärung von 'Wissen', sind derartige Versuche einer festen Definition doch häufig mit normativen Grenzziehungen verbunden. Vielmehr geht es gerade um die Analyse solcher Grenzziehungen, um die Kontextualisierung und Historisierung verschiedener 'Wissensformen', ihrer kulturellen Codierungen und deren Konsequenzen sowie ihrer oft machtgeladenen Interrelationen. Damit soll die politische Bedeutung von Wissen verstanden als damit einhergehende, durch sie produzierte und in sie eingeschriebene Macht-, Hierarchie- und Geschlechterdispositionen in den Vordergrund gerückt werden.
Wie also wird bestimmt, was wo als Wissen gilt? Und von wem? In welchem Zusammenhang steht die Setzung von 'Wissen' und 'Nicht-Wissen' mit der Formation wissenschaftlicher Disziplinen? Wie etwa unterscheidet sich die medizinische Geburtshilfe vom Hebammenwesen, die akademische Geschichtswissenschaft von Laienhistoriographie, der Queer-Aktivist vom Queer-Forscher? Was gilt als 'Kanon' einer Disziplin? Und warum? Welchen Einfluss haben Klassifikationssysteme und Infrastrukturen auf die Produktion von Wissen? Wie verändert beispielsweise der Symptomkatalog von AIDS Erscheinungsbild, Qualität und auch Quantität dieser Erkrankung? Und welche Konsequenzen hat es, wenn Internet-Suchmaschinen semantische Bedeutungsdimensionen berücksichtigen, die jedoch auf bestimmten Setzungen beruhen? Gefragt werden soll schließlich auch nach widerständigen Taktiken und Praktiken der (Wissens-)Subversion, nach Möglichkeiten der Umdeutung, Ablehnung oder gar Eigenkonstruktion von Wissenskategorien.
Nach ihrer Gründung Anfang 2010 hat sich die AG zunächst einen Überblick über unterschiedliche theoretische Zugänge zum Thema Wissen erarbeitet und eine diesbezügliche Bibliographie erstellt. In den kommenden Arbeitssitzungen sollen die oben angesprochenen Fragen in Hinblick auf die Einzelprojekte erörtert werden. 

Veranstaltungen

Internationale Konferenz:
"Contested Truths. (De-)Forming and Positioning Politics of Knowledge"

Veranstaltet in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Medizin der Charité und der Technischen Universität Braunschweig

Zeit: 16.-18.06.2011

Ort: Humboldt-Universität zu Berlin