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Humboldt-Universität zu Berlin - Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien

Was sind Geschlecht bzw. Gender und Gender Studies an der HU?

Die Kategorie Geschlecht ist eine der zentralen Wahrnehmungs- und Identitätskategorien heutiger Gesellschaften.

Gender Studies untersuchen die Bedeutung, Herstellung, Konstitution, Verhandlung und Relevanz von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen, ihre Wirkweisen und ihren Wandel. Dieser umfassende und komplexe Anspruch ist allein im Zusammenspiel unterschiedlichster Disziplinen und wissenschaftlicher Zugänge umsetzbar. Nur so ist die Relevanz und Variabilität von Geschlecht inhaltlich, erkenntnistheoretisch und methodisch zu fassen. Die Gender Studies thematisieren die Bedeutung von Geschlecht in unterschiedlichen Zusammenhängen: in der Kultur, also in den Medien, in der Kunst oder der Literatur, in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, in Religion und Recht, in Medizin, Technik und Naturwissenschaften. Diese Forschung berührt politische Streitfragen ebenso wie Grundlagen unserer Kultur, religiöse Deutungen ebenso wie zeitgenössische Kulturphänomene, juristische Entscheidungen ebenso wie globale gesellschaftliche Trends.

Mit einem transdisziplinären Ansatz wird diese doppelte Bewegung – die Verbindung unterschiedlicher Zugänge und ihre gleichzeitige Reflexion – an der Humboldt-Universität (HU) realisiert. Transdisziplinarität bedeutet die wissenschaftstheoretische Reflexion der Disziplinen mit einem quer zu den Disziplinen liegenden Erkenntnisinteresse zu Gender.

Die Kategorie Geschlecht wird als interdependente Kategorie verstanden, d.h. in ihrem komplexen Zusammenspiel mit anderen Kategorien wie Sexualität, „Rasse“, Schicht, Alter, Staatsbürger_innenschaft, Behinderung oder Glaube und Weltanschauung untersucht und eröffnet so kontinuierlich weitere Perspektiven, Fragestellungen und Wissensfelder. Dementsprechend gehören zum Feld der Gender Studies an der HU auch Queer Studies, kritische Rassismus-Forschung, postkoloniale Studien und weitere kritische Ansätze verschiedener Disziplinen.

Gender Studies sind heute ein differenziertes wissenschaftliches Feld, das nicht nur neues Wissen generiert, sondern auch in die Disziplinen und traditionellen Fächer zurückwirkt. Geschlecht wird nicht nur als Identitätskategorie verstanden, sondern vor allem als Analysekategorie in der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen von Wissensproduktion. Wissen ist untrennbar mit Gender verknüpft. Unsere Psyche oder unsere Körper, Religionen und Politik, Technik und Umwelt, Staaten und Unternehmen sind von Gender stark geprägt – und bringen selbst Geschlechtervorstellungen hervor. Wissensproduktion wurde lange als geschlechtsneutral wahrgenommen. Die sich als „allgemein“, „objektiv“ und „geschlechtslos“ darstellende Forschung bildet in ihren verschiedenen Dimensionen von Geschlecht einen wichtigen Gegenstand in den Gender Studies. Im Ergebnis dessen integrieren inzwischen viele Disziplinen diese Erkenntnis in ihre Forschung und Lehre.

Gender Studies vermitteln die Kompetenz, Wissensformationen kritisch zu reflektieren, neue Fragen zu stellen und komplexe Zusammenhänge zu eröffnen. Student_innen der Gender Studies sind daher ebenso wie die Forscher_innen, die in diesem Fach lehren, nicht allein der Theorie verpflichtet, sondern vermitteln ihre Fragen und ihr Wissen auch in die Praxis. Das reicht z.B. von der Konzeption einer Ausstellung über die Personalauswahl im Unternehmen bis hin zur Politikberatung.