Humboldt-Universität zu Berlin - Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien

Humboldt-Universität zu Berlin | Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien | Veranstaltungen | Die gute Mahlzeit. Gender und Ernährung transdisziplinär

Die gute Mahlzeit. Gender und Ernährung transdisziplinär

Wissenschaftliches Kolloquium des ZtG
„Die gute Mahlzeit. Gender und Ernährung transdisziplinär“

 

von Freitag, 11. November bis Samstag, 12. November 2022
an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU-Hauptgebäude, Unter den Linden 6, 10117 Berlin, Senatssaal)

 

Ernährung (re)produziert nicht nur Körper, sondern auch Gesellschaften mit ihren Geschlechterordnungen. So werden durch Ernährung die Konturen des Körpers gestaltet und – mit Hilfe normativer Zuschreibungen wie gut/schlecht, gesund/ungesund – moralisch bewertet. Dabei sind Ernährungsweisen und Essgewohnheiten kulturell und geschlechtlich kodiert, wenn Fleischkonsum als Ausdruck von Maskulinität gilt oder Dicksein als Folge ‚mangelnder Selbstdisziplin‘ und ‚falscher Ernährung‘ interpretiert wird. 
 
Anhand von Mahlzeiten lassen sich Fragen der kulturellen Zugehörigkeit zuspitzen, aber auch anhand von fehlender Ernährung: Die Auseinandersetzung mit Hunger – im Zusammenhang mit Armut, Widerstand, Ritualen oder Kunst – schärft den kritischen Blick auf soziale, politische, physiologische, ökologische, religiöse und kulturelle Ernährungs- und Geschlechterdiskurse. 
 
Essen und insbesondere die Mahlzeit stellen demnach einen elementaren Teil der gesellschaftlichen (Re)Produktion dar, auf materieller und immaterieller Ebene. Über die Mahlzeit werden ‚Kultur‘ und ‚Natur‘ einverleibt, performativ hergestellt, weitergegeben und verändert. Somit ist Essen mehr als ein Mittel des Überlebens oder des Genusses – es eröffnet eine Fülle von Erkenntnissen, wie gesellschaftliche Ordnungen (re)produziert werden. 
 
Die gute Mahlzeit ist somit ein kritisch zu hinterfragendes Ideal, dem wir uns im Rahmen des Kolloquiums zuwenden. Den vielfältigen Zugängen und Perspektiven Rechnung tragend, wollen wir Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Fächern vorstellen und im transdisziplinären Austausch diskutieren.

 

Pfeile Anmeldung

Pfeile Posterflyer als PDF-Datei

 

Freitag, 11. November 2022

 

9:30 Kaffee und Begrüßung
 

 

10:00 – 12:00

Panel 1: Materialität, Herstellung/Produktion von Körper

Moderation: Evangelia Kindinger (HU Berlin)

Martin Winter (Technische Universität Darmstadt):
Ernährung und vergeschlechtlichte Körper. Theoretische
Annäherungen zum Verhältnis von Geschlecht, Körpern und
Lebensmitteln

Nina Mackert (Universität Leipzig):
Dreieinhalb Männer. Kalorien und die Herstellung vergeschlechtlichter
Körper in sozial- und ernährungswissenschaftlichen Studien des frühen 20. Jahrhunderts

   
12:00 – 12:15 Kaffeepause
   
12:15 – 13:15 Gabriele Dietze (HU Berlin):
Festmahl und Krise
   
13:15 – 15:00 Mittagspause
   
15:00 – 17:00

Panel 2: Fleischverzehr zwischen Norm und Tabu

Moderation: Jasmin Köhler (HU Berlin)

Helen Keller (HU Berlin):
“Eat like a man, man.“ – Männlichkeitskrise, Fleischkonsum und die Rückkehr zum Animalischen

Eva Bischoff (Universität Trier):
Unter Menschenfressern: Alterität, Männlichkeit und Kolonialismus in der Zeit der Weimarer Republik

   
17:00 – 17:15 Kaffeepause
   
17:15 – 18:15 Christian Kassung (HU Berlin):
Kannibalismus oder Abendmahl? "Nourrimêtre" in Peter Greenaways "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber"

 

Samstag, 12. November 2022

 

09:30 – 11:30

Panel 3: Hunger und Geschlecht

Moderation: Kerstin Palm (HU Berlin)

Desiree Zwanck (Gender and Social Inclusion Consultant, Dakar) (online):
Füllhorn Frau: Internationale Ernährungssicherung zwischen Realität und Öffentlichkeitsarbeit

Stefanie von Schnurbein (HU Berlin):
Fett schreiben? Auf der Suche nach literarischen Alternativen zu „Ökonomien des Hungers“

   
11:30 – 11:45 Kaffeepause
   
11:45 – 12:45 Maximilian Buschmann (Technische Universität München):
„...as much as the men in the trenches”. Hungerstreiks gegen
Kriegsdienst und die Sorgen um Männlichkeit in den Vereinigten
Staaten, 1917-1920.
   
12:45 – 14:15 Mittagspause
   
14:15 – 16:15

Panel 4: Die Mahlzeit als (Re)Produktion von Gesellschaft

Moderation: Suse Brettin (HU Berlin)

Meike Brückner (HU Berlin):
Biodiversität in der Küche – Ernährungspraktiken als Ausdruck sozial- ökologischer Sorgearbeit

Leonie Stenske (HU Berlin):
Veggi-halal-interkulturell: Zusammen essen in der KiTa

   
16:15 – 16:45 Kaffeepause
   
16:45 – 17:45 Carla Wember (Hochschule Fulda, Universität Kassel sowie Institut für Ländliche Strukturforschung):
Queere Ländlichkeiten: Potentiale alternativer Landwirtschaft für plurale Lebensweise im Ruralen
   
18:00 – 19:30

Abschlussdiskussion mit den Konferenzbeobachter*innen

Moderation: Karin Sardadvar (HU Berlin)

Friedrich Schorb (Universität Bremen)
Melanie Bittner (Universität Freiburg)
Corinna Schmechel (HU Berlin)
Christina von Braun (HU Berlin)